Die Regensburger Domspatzen

So genannte Knabenchöre haben eine lange Tradition in Deutschland und einer der bekanntesten und ältesten sind die Regensburger Domspatzen. Der offiziellen Knabenchor des Regensburger Doms hat eine Geschichte, die über 1000 Jahre alt ist. Der Chor gilt außerdem als einer der besten Europas und hat die Auszeichnung „Kulturelle Botschafter Europas” erhalten.

Im Jahr 975 hatte der damalige Regensburger Bischof Wolfgang von Regensburg die Einrichtung einer Domschule beschlossen, in der Knaben vor allem ausgebildet wurden, um den Priestern zu helfen, später selbst Priester zu werden und um während des Gottesdienstes zu singen. Um die Domschule zu finanzieren, wurde eine Stiftung, die Dompräbende, geschaffen, die bis heute existiert.

Im Dreißigjähriger Krieg wurde die Chortätigkeit kurz unterbrochen, weil wegen der schwedischen Besatzung Bayern kurzzeitig protestantisch war und es keinen Bedarf für die Chorgesänge gab. Nach dem Westfälischen Frieden wurde der Dom aber wieder katholisch genutzt.

Viele Reisen ins Ausland

Der Chor war bereits Anfang des 20. Jahrhunderts sehr bekannt und machte 1910 seine erste Reise zu einem Auftritt ins Ausland und zwar nach Prag. Es heißt, dass in einem Presseartikel die Knaben als die Domspatzen bezeichnet wurden. Unter Chorleiter Theobald Schrems erlangte der Chor weitere Berühmtheit über die Grenzen Deutschlands hinaus.

In der NS-Zeit ließ sich die Chorleitung von den Nationalsozialisten instrumentieren, trat bei Parteiveranstaltungen auf und beim Hitlers Besuch in Regensburg. Hitler selbst war es auch, der dem Chor seine erste Reise in die Ferne finanzierte, nämlich nach Südamerika.

Nach dem Krieg kam der Chor unter die Leitung des Papstbruders Georg Ratzinger, der 30 Jahre lang die Domkapellmeister und den Chor leitete. In dieser Zeit, aber auch später, hatte es massiven Missbrauch von Kindern gegeben und auch gewalttätige Übergriffe. Insgesamt sind über 231 Kinder misshandelt worden.

Die Wirtschaftswunderjahre bescherten dem Chor aber auch einen rasanten Aufstieg als einen der weltbesten Chöre. Die Jungen reisten rund um die Welt, nach Amerika und Asien.