Klare Stimmen aus dem Osten: Der Thomaner

Man schrieb das Jahr 1212. Die Stadt Leipzig hatte gerade erst ihr Markt- und Stadtrecht erhalten, als die Augustinermönche die Idee hatten, einen Chor zu gründen. Der sollte in der neue Kirche singen, die dem Apostel Thomas gewidmet war. Damit das alles auch offiziell wurde, erließ Markgraf Dietrich von Meißen ein entsprechendes Dekret, dass die Gründung einer Domschule und eines Chors befahl. Der Thomanerchor begann seine Karriere zunächst als Schule für die Bürgerkinder und ist damit auch die älteste öffentlich Schule in Deutschland. Die Kinder mussten kein Schulgeld bezahlen, aber den Mönchen helfen und dazu gehörte auch der Gottesdienstgesang.

Wirkungsstätte von Bach

Bereits 1543 wurde die Bildung verstaatlicht und der Thomanerchor und die Schule wurden Teil der öffentlichen Verwaltung. Der Chor wurde bald berühmt und es galt als Aufzeichnung, den Chor als Kantor leiten zu dürfen. Deshalb hatte sich 1723 der Komponist Johann Sebastian Bach um die Stelle beworben und arbeitete 27 Jahre dort. Damit legte er den Grundstein für den Weltruhm des Chors, der bis heute anhält.

Der Chor schaffte es in der NS-Zeit, sich weitgehend aus der kulturellen Gleichschaltung herauszuhalten, vor allem durch die Bemühungen der Chorleiter.

Der Chor besteht immer noch und es singen 93 Jungen im Chor. Damit ist er nach wie vor ein Knabenchor. Die Sänger leben und wohnen im Internat der Thomasschule, die ein Gymnasium mit sprachlicher und natürlich musikalischer Orientierung ist. Sie wohnen aber nicht nach Klassen getrennt, vielmehr werden die Altersgruppen gemischt. Im Chor und der Schule darf nur sein, wer zwischen 8 und 18 Jahren alt ist.

Der Thomanerchor hat, aus historischen Gründen, einen deutlichen Schwerpunkt auf Werke des einstigen Leiter Bach gelegt, hat aber auch das gesamte Repertoire der Kirchenmusik im Programm. Ein Höhepunkt des Jahres ist das Bachfest, das jedes Jahr stattfindet und bei dem an Original-Wirkungsstätten des großen Komponisten seine Werke aufgeführt werden – eben auch in der Thomaskirche.